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Nr. 46/2021Lehrkräfte im Warnstreik für kleinere Klassen

06.10.2021

Über 500 Lehrkräfte aus 28 Berliner Schulen sind heute dem Warnstreik-Aufruf der GEW BERLIN gefolgt und haben ganztägig ihre Arbeit niedergelegt. Die GEW BERLIN fordert den Abschluss eines Tarifvertrages zum Gesundheitsschutz, in dem das Verhältnis von Schüler*innen zu Lehrkräften und damit die Klassengröße an allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen geregelt wird.

„Das Ziel unseres Tarifvorhabens ist eine Verkleinerung der Klassen. Kleinere Klassen bedeuten eine geringere Arbeitsbelastung und tragen zum Gesundheitsschutz der Lehrkräfte bei. Von kleineren Klassen profitieren aber natürlich auch die Schülerinnen und Schüler“, erklärte Anne Albers, Leiterin des Vorstandsbereichs Beamten-, Angestellten- und Tarifpolitik in der GEW BERLIN.

Eine Befragung unter angestellten Lehrkräften an Berliner Schulen zeigt, dass die Klassengröße aus Sicht der Kolleg*innen die wirksamste Stellschraube bei der Senkung der Arbeitsbelastung ist. „Weniger Lärm, weniger Vor- und Nachbereitung, weniger Korrekturaufwand – Entlastung entsteht durch kleinere Lerngruppen, das sagt die Praxiserfahrung der Kolleg*innen“, erklärte Albers. „In kleineren Klassen bleibt mehr Zeit für die Kernaufgaben von Lehrer*innen: Unterricht, Beziehungsarbeit, individualisierte Förderung“, unterstrich Albers.

Im Juni hatte die GEW BERLIN Finanzsenator Matthias Kollatz und Bildungssenatorin Sandra Scheeres dazu aufgefordert, Tarifverhandlungen über einen Tarifvertrag Gesundheitsschutz aufzunehmen. „Der Finanzsenator hat unsere Aufforderung abgelehnt. Mit dem Verweis auf die Zuständigkeit des Arbeitgeberverbandes TdL zieht sich der Finanzsenator aus der Verantwortung“, sagte der Leiter des Vorstandsbereichs Beamten-, Angestellten- und Tarifpolitik, Udo Mertens. „Die Rechtmäßigkeit unseres Streiks zweifelt auch die Senatsfinanzverwaltung wohl nicht an. Auf eine Klage haben sie dieses Mal verzichtet. Wen wunderts; Maßnahmen, die auf einen besseren Gesundheitsschutz der Beschäftigten zielen, indem sie durch eine günstigere Personalbemessung für Entlastung sorgen, sind nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts tariflich regelbar. Die Hausaufgaben in seinem Arbeitgeberverband muss der Finanzsenator selber machen. Auch das hatten ihm die Gerichte schon 2013 gesagt “, erklärte Mertens.

„Wir bitten alle Eltern um Unterstützung und Solidarität für unseren Streik – auch ihre Kinder werden von kleineren Klassen profitieren“, betonte der Vorsitzende der GEW BERLIN, Tom Erdmann. Die Corona-Pandemie sei eine riesige Belastung für die Familien gewesen, daher habe sich die GEW diesen Streik reiflich überlegt und nur wenige Schulen aufgerufen. „Corona hat aber auch gezeigt, wie wichtig kleine Klassen und gute Bildungsbedingungen sind“, so Erdmann.

Die Demonstration fand auf dem Fahrrad statt und verlief vom Oranienplatz in Kreuzberg, entlang der Parteizentralen von Grünen, FDP, Linken bis zur Zentrale der Berliner SPD im Wedding. Abschlusskundgebung war auf dem Max-Josef-Metzger-Platz im Wedding.

Mehr Informationen zum Tarifvorhaben unter www.gew-berlin.de/tvgesundheitsschutz