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Arbeitsbelastung runter! Bildungsqualität rauf!

Wir wollen einen Tarifvertrag, der die Klassengröße regelt

Pupil writing on the board at elementary school maths class
Foto: Adobe Stock

Liebe Kolleg*innen,

Arbeitsentlastung ist für uns Lehrkräfte eines der drängendsten Themen. Seit 2017 bereitet die GEW BERLIN mit der Tarifkommission der angestellten Lehrkräfte das Tarifprojekt „Tarifvertrag Gesundheitsschutz“ vor, jetzt wird es konkret. Wir wollen einen Tarifvertrag, der die Klassengröße regelt!

Mit dem Tarifprojekt Gesundheitsschutz wollen wir den tarifrechtlichen Hebel an die Arbeitsbelastung legen, indem wir kleinere Lerngruppen fordern!

Mit diesen FAQ wollen wir euch einladen, das Tarifprojekt näher kennenzulernen. Mehr als 2500 Kolleg*innen der GEW BERLIN waren bisher aktiv an dem Projekt beteiligt. Nach eingehender Vorbereitung und einem klaren Votum der Landesdelegiertenversammlung für den TV Gesundheitsschutz im Jahr 2019 haben wir Anfang 2020 die Forderungen auf drei Tarifpolitischen Konferenzen mit den Mitgliedern diskutiert. Dort und in einer detaillierten Online-Umfrage im Januar 2021 wurde deutlich, dass die Kolleg*innen mit überwältigender Mehrheit der Meinung sind: Die Klassengröße ist eine wirksame Stellschraube für Entlastung!

Entlastung entsteht in kleineren Lerngruppen, so sagen wissenschaftliche Studien und die Praxiserfahrungen der Kolleg*innen, u.a. durch weniger Lärm, weniger Vor- und Nachbereitungs- sowie Korrekturaufwand. In kleineren Klassen bleibt dann mehr Zeit für die Kernaufgaben des Lehrer*innenberufs: Unterricht, individualisierte Förderung, Beziehungsarbeit.

Unsere Online-Umfrage unter Kolleg*innen bestätigt, den Kolleg*innen geht es ums Ganze, um die gute Bildungsqualität der Schüler*innen und ihre eigene Gesundheit! Das Tarifprojekt fordert also, was eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte: Gute Arbeits- und Lernbedingungen! Wir finden, mit diesen Forderungen sollten wir bei allen Akteur*innen im Bildungsbereich offene Türen einrennen und freuen uns auf eine breite Unterstützung von Schüler*innen und Eltern für die Tarifauseinandersetzung!

Für nähere Infos zur Online-Umfrage könnt ihr gern Anne Albers kontaktieren (anne.albers(at)gew-berlin(dot)de)

Warum so und nicht anders, wie genau, wann? Diese FAQ geben einen vorläufigen Überblick über Fragen von Kolleg*innen zum Tarifprojekt. Hinweise und Anregungen sind willkommen. (Stand: 15.03.2021)
Kontakt: vbba(at)gew-berlin(dot)de

Wir wollen, dass die Klassengröße an allgemeinbildenden Schulen zukünftig verlässlich in einem Tarifvertrag geregelt wird. Bisher erlässt die Senatsverwaltung eine Verwaltungsvorschrift. Gäbe es stattdessen einen Tarifvertrag, könnte die GEW BERLIN als eure Gewerkschaft Verhandlungen führen. Dann könnten alle Kolleg*innen sich z.B. mit Streiks für bessere Bedingungen einsetzen. Der Tarifvertrag wäre ein grundlegender Paradigmenwechsel in Sachen Klassengröße. Der Grundstein für Mitgestaltung und Verbesserungen wäre gelegt.

Das Ziel ist, in diesem Tarifvertrag eine Verkleinerung der Klassen verbindlich festzuschreiben und so endlich weniger Arbeitsbelastung und mehr Bildungsqualität zu erreichen.

Wir fordern die Festlegung eines Mindestniveaus für die Ausstattung der Schulen mit Lehrkräften, Sozialpädagog*innen und Schulpsycholog*innen für alle Schularten. Für die notwendige Absenkung der Klassengrößen sind zusätzliche Stellen zu schaffen. Bisher geregelte Ermäßigungsstunden für besondere Aufgaben oder Belastungen gemäß der VV Zumessung dürfen nicht reduziert werden. Entsprechendes gilt für bestehende Vorgaben zur Erteilung von Teilungsunterricht oder jahrgangsübergreifende Gruppen aus der VV Zumessung, der Berufsschulverordnung oder der Berufsfachschulverordnung.

 

Nein, außer dort, wo es in der VV Zumessung anders vorgesehen ist. Auch soll die Möglichkeit des Teilungsunterrichts erhalten bleiben.

Nein. Quereinsteiger*innen erhalten Entlastung durch Ermäßigungsstunden, weil sie an Ausbildungsveranstaltungen teilnehmen.

Während der Corona-Pandemie machten zahlreiche Schüler*innen und Lehrpersonen im sogenannten geteilten Klassenunterricht die Erfahrung, welchen Effekt eine halb so große Lerngruppe und die somit doppelt so gute Betreuungsrelation im Unterricht und für den Lernerfolg haben können.

Empirische Ergebnisse zu Lernerfolg, Lehrer*innenbelastung oder zum Lernklima legen positive Effekte kleinerer Lerngruppen nahe.

Eine Reduzierung der Klassengröße führt nicht automatisch zu besserem Unterricht, kann diesen jedoch unter bestimmten Bedingungen durchaus begünstigen. Eine dieser Bedingungen ist die Fortbildung von Lehrpersonen zur Anwendung partizipativer, offener und individuell unterstützender Lehrstile.

Kleinere Klassen können entlastend wirken, so sagen die Kolleg*innen und wissenschaftliche Studien, weil mit weniger Schüler*innen u.a. auch weniger Lärm, weniger Vor- und Nachbereitung, weniger Korrekturen und weniger Absprachen mit Eltern und Kolleg*innen anfallen.

In kleineren Lerngruppen ist eine bessere Lernatmosphäre spürbar, es geht weniger Zeit für Störungen drauf und damit bleibt mehr Zeit für individuelles Lernen sowie Beziehungsarbeit. Das alles trägt zur Entlastung und Zufriedenheit von Lehrpersonen bei, die so gesund bleiben und ihren Job noch besser machen können. Und Schüler*innen lernen nachweisbar entspannter – und mehr.

Die Klassengröße ist folglich eine wichtige Stellschraube für mehr Bildungsgerechtigkeit, für gelingende Inklusion, für gesunde Pädagog*innen und individualisiertes Lernen.

Bessere schulische Regelungen sollen auch weiterhin möglich sein.

Im Tarifvertrag soll geregelt werden, dass bestehende Teilungs- und Ermäßigungsstunden nicht unterschritten werden. Die VV Zumessung wird dafür als Mindeststandard in Bezug genommen. Wichtig ist vor allem, dass es durch den Tarifvertrag zu keinen Verschlechterungen im Vergleich zur VV Zumessung kommt.

Nein, das gehört zum Direktionsrecht des Arbeitgebers. Tutor*innen- und Klassenleiter*innenstunden sind Sache der Schule. Die Gesamtkonferenz kann im Rahmen von § 79 Abs. 3 Schulgesetz Beschlüsse fassen. Falls notwendig, kann auch der Personalrat zur Unterstützung angesprochen werden. Dieser könnte in die Gesamtkonferenz kommen und die Kolleg*innen dabei unterstützen, zu einer für die Lehrkräfte guten Regelung zu kommen.

Nein, das gehört zum Organisationsrecht des Arbeitgebers und kann keine Tarifforderung sein. Die GEW fordert politisch seit langem eine Erhöhung der personellen Ausstattung.

 

Ja, auch das wird gefordert, möglichst nicht ausgelagert an freie Träger, in folgender Form:

  • Für jeweils 2000 Schüler*innen ist eine Schulpsycholog*innenstelle zu besetzen.
  • Pro 150 Schüler*innen ist jeweils eine Sozialpädagog*innenstelle zu besetzen. An kleinen Schulen ist mindestens ein*e Sozialpädagog*in vorzusehen.

Denkbar wäre ein Ausgleich durch Verkleinerung der Klasse im folgenden Schuljahr. Alternativ könnte man Erschwerniszuschläge oder einen schulischen Gesundheitsfonds vereinbaren. Weitere mögliche Ausgleiche für erteilten Unterricht in Klassengrößen, die nicht dem Tarifvertrag entsprechen, müssen in den Verhandlungen ausgelotet werden.

Verweigert ein Arbeitgeber Tarifverhandlungen zu tarifierbaren Sachverhalten, können Gewerkschaften zum Streik aufrufen.

Nicht alle tariflichen Forderungen werden bei Abschluss des Tarifvertrages sofort umgesetzt werden können. Aber der Tarifvertrag soll auch in die Zukunft wirken und so eine Grundlage zur weiteren Planung sein. Bei Regelungen im Tarifvertrag muss der Arbeitgeber schrittweise für die Umsetzung sorgen.

Eine Verkleinerung der Klassen erzeugt Personalbedarf. Wie viele Stellen benötigt würden, ist zum einen abhängig von der konkreten Schule und der Schulstruktur sowie dem jeweiligen Profil der Schule und der Schüler*innenschaft.

Aktuell fehlen zwar Lehrer*innen in Berlin, das wird bei entsprechendem Ausbau der Ausbildungskapazitäten jedoch nicht ewig so bleiben. Im TV Gesundheitsschutz könnte bereits jetzt ein Stufenplan zur Verkleinerung der Klassen mit Blick auf künftig mögliche zusätzliche Einstellungen und Personalaufwüchse vereinbart werden. Damit wäre eine echte, verlässliche Perspektive für Arbeitsentlastung geschaffen. Das ist ein kräftiges Argument im Kampf gegen den Fachkräftemangel.

Der TV Gesundheitsschutz wird zudem positive Effekte in Sachen Personalbedarf haben. Es ist zu erwarten, dass die geringere Arbeitsbelastung in kleineren Klassen dazu führt, dass der Krankenstand sinkt. Es werden weniger Lehrpersonen frühzeitig aus dem Beruf ausscheiden und somit der durch Langzeiterkrankungen generierte Einstellungsbedarf sinkt. Die geringere Belastung in kleineren Klassen könnte außerdem Lehrkräfte in Teilzeit dazu bewegen, ihre Stundenanteile zu erhöhen. Denn für viele Kolleg*innen ist das Argument, in Teilzeit zu arbeiten, dass sie nur so genügend Zeit finden um ihren Job verantwortungsvoll machen zu können.

Diese Möglichkeit hat der Arbeitgeber jederzeit – nicht erst mit Geltung eines solchen Tarifvertrags. Sollte der Arbeitgeber sich allerdings dieser „Keule“ gegen das Tarifprojekt bedienen wollen, erwarten wir einen Sturm der Entrüstung.

Das kann niemand garantieren, nicht für die Zeit ab Geltung des Tarifvertrags und auch jetzt nicht. Allerdings halten wir die Erhöhung der Unterrichtsverpflichtung aktuell für politisch kaum durchsetzbar.

Hier muss die Einrichtungsgröße zugrunde gelegt werden. Des Weiteren muss es ein System zur Evaluation entwickelt werden, was u.a. Instrumente zum Messen der Klassengröße und zum Prüfen der einzuhaltenden Maßnahmen enthält.

So lange der Tarifvertrag läuft und sich im ungekündigten Zustand befindet, besteht Friedenspflicht – es darf also zu den betreffenden Regelungen für diese Zeit nicht gestreikt werden.

Die Arbeitszeit der Lehrkräfte ist in der Arbeitszeitverordnung der Beamt*innen geregelt. Diese gilt nach § 44 TV-L auch für die Tarifbeschäftigten. Der § 44 TV-L ist durch die GEW BERLIN nicht und bundesweit nur gemeinsam mit § 6 TV-L (der allgemeinen Arbeitszeit) kündbar. Die Regelung unterliegt der Friedenspflicht und lässt sich zurzeit nicht bestreiken. Eine Änderung der Arbeitszeit, der Unterrichtsverpflichtung, ist derzeit also nur politisch und nicht durch Arbeitskämpfe im Rahmen von Tarifauseinandersetzungen anzugehen. Die Präsenztage für Lehrkräfte sind in §7 der Erholungsurlaubsverordnung der Beamt*innen geregelt und entziehen sich darum dem Zugriff durch einen Tarifvertrag.

Das Tarifprojekt geht einen völlig neuen Weg. Die Senkung von Klassengrößen sind für Lehrkräfte ein Schlüssel zu mehr Entlastung und damit direkt für alle in Schule beschäftigten Erzieher*innen, die klassenbezogen arbeiten. Für Erzieher*innen in anderen Bereichen und Kitas wären andere rechtliche Grundlagen für die Forderungen in Bezug zu nehmen, die sich in dieser Tarifauseinandersetzung nicht sinnvoll verbinden lassen. Wenn die Tarifauseinandersetzung für die Klassengrößen erfolgreich war, werden wir ähnliche Wege auch für die anderen Kolleg*innen prüfen.

Nein, das sind andere Tarifregelungen, die nicht Gegenstand dieser Tarifauseinandersetzung sind. Über Tariferhöhungen wird ab Oktober 2021 in der nächsten TV-L-Runde verhandelt.

So bald wie möglich, d.h. sobald die Pandemiesituation wieder Aktionen erlaubt.

Ansprechpartner_in
Anne Albers
Leitung Vorstandsbereich Beamten-, Angestellten- und Tarifpolitik
030 / 219993-31
Udo Mertens
Leitung Vorstandsbereich Beamten-, Angestellten- und Tarifpolitik
030 / 219993-31