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Nr. 7/20Schulen auf, aber im Interesse der Schüler*innen

17.04.2020

Die GEW BERLIN begrüßt die Entscheidung, die Schulen schrittweise ab dem 4. Mai wieder zu öffnen. Viele Schüler*innen und deren Familien warten bereits sehnsüchtig auf eine Normalisierung des Alltags. Faire Voraussetzungen für das Durchführen von Prüfungen sieht die GEW jedoch nicht gegeben. Im Mittelpunkt muss der Gesundheitsschutz aller Beteiligten stehen.

Die Senatsbildungsverwaltung muss schnell Konzepte für die schrittweise Öffnung der Schulen entwickeln. Noch bleibt zu vieles im Unklaren“, forderte Doreen Siebernik, Vorsitzende der GEW BERLIN. „Ausgangspunkt für alle Schritte und Handlungsoptionen muss der größtmögliche Gesundheits- und Infektionsschutz der Beschäftigten und der Schülerinnen und Schüler sein”, so Siebernik. Die GEW BERLIN fordert die Schulträger auf, die hygienischen Verhältnisse an den Schulen umgehend und nachhaltig zu verbessern, damit die Schulen wieder öffnen können. „Das bedeutet eine mehrfache tägliche Reinigung. Seife, Papierhandtücher, Toilettenpapier sowie Desinfektionsmittel müssen als Verbrauchsmaterialien in allen Schulen ausreichend vorhanden sein. Wenn diese Standards nicht gewährleistet sind, dann dürfen Schulen nicht geöffnet werden”, unterstrich die GEW-Vorsitzende.

Die Regelungen für Pädagog*innen ab 60 Jahren sowie für Kolleg*innen mit Vorerkrankungen müssen nach Ansicht der GEW unbedingt auch ab dem 4. Mai fortbestehen. Alle Beschäftigten und Schüler*innen, die eine Erkältung spüren, sollten unbedingt zu Hause bleiben statt trotz Erkrankung in die Schule zu kommen.

Auch wenn die Schule wieder startet, wird der Unterricht im herkömmlichen Sinne nachrangig sein“, betonte Tom Erdmann, Co-Vorsitzender der GEW BERLIN. „Viele Kinder und Jugendliche leben in schwierigen häuslichen Bedingungen. Es geht in erster Linie darum, alle Kinder und Jugendlichen sobald wie möglich wieder zu erreichen. Es ist pädagogisch überhaupt nicht vertretbar, dass Frau Scheeres an die Schulen die Losung ausgibt, Prüfungen hätten Vorrang vor Unterricht.

Erdmann stellte klar: „Nach wie vor ermöglichen die geltenden Beschränkungen keine vertretbaren fairen und gleichwertigen Prüfungen. Viele Jugendliche konnten sich nicht ausreichend vorbereiten. Der Gesundheitsschutz der Schüler*innen und der Lehrkräfte kann darüber hinaus nicht ausreichend gewährleistet werden. Wir halten eine Absage der Prüfungen in Abstimmungen mit der Kultusministerkonferenz daher weiter für den sinnvollen Weg. Wenigstens die Prüfungen zum mittleren Schulabschluss sollte für die zehnten Klassen abgesagt werden.

Erdmann wies auf die Möglichkeit hin, Abschlüsse und Noten auf Grundlage der bereits in diesem Schuljahr erbrachten Leistungen zu vergeben. Eine Ausnahmesituation wie die Corona-Krise verlange besondere Regelungen und Flexibilität. „Entscheidend ist, dass den Schüler*innen keine Nachteile entstehen. Die Länder müssen sich darauf verständigen, alle Abschlüsse und Noten gegenseitig ohne Wenn und Aber anzuerkennen. Ein Blick in europäische Nachbarländer zeigt, dass Abschlüsse mit Durchschnittsnoten ermöglicht werden und den Schüler*innen keine Nachteile entstehen.

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