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Schule

Bildung für nachhaltige Entwicklung als Erfolgsrezept

Immer mehr Schulen initiieren Projekte zu den Themen Klima- und Umweltschutz, um Schüler*innen besser zu beteiligen und Netzwerke zu bilden. Viele Beispiele haben Vorbildcharakter.

Foto: IMAGO

In Berlin gibt es viele Schulen, die Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) umsetzen und die aktive Beteiligung der Schüler*innen und den Einbezug außerschulischer Partner*innen bewusst unterstützen. Etwa 80 von ihnen sind ausgezeichnete »Nachhaltigkeitsschulen«. Da es schwierig ist, die Qualität einer BNE zu messen, hat sich der Senat von Berlin dazu entschlossen, die Anzahl der Nachhaltigkeitsschulen als einen Bildungsindikator für die nachhaltige Entwicklung Berlins aufzunehmen. In Berlin zählen zu diesem Indikator die Auszeichnungen »Internationale Nachhaltigkeitsschule-Umweltschule in Europa«, »UNESCO-Schule« und »Faire Schule«. Von den Internationalen Nachhaltigkeitsschulen gibt es weltweit circa 60.000 Eco Schools in achtzig Staaten. In Deutschland sind es etwa 1.500 und in Berlin fast sechzig Schulen, die sich sowohl gleichmäßig auf alle Schulformen verteilen, als auch Schulen in privater Trägerschaft miteinbeziehen.

 

Ausgezeichnete Schulen

 

Für die Vergabe der Auszeichnung ist eine unabhängige Jury vorgeschrieben. In Berlin sind neben den Partner*innen Climate Change Center, BUNDjugend, BSR, GASAG und Jugend- und Familienstiftung des Landes Berlin, auch Grün macht Schule und die Stiftung Kinder forschen und viele NGOs wie zum Beispiel KATE, EPIZ, UfU, die Grüne Liga oder Greenpeace vertreten, die alle gemeinsam für einen »Blick von außen« sorgen. Die Schulen haben drei Möglichkeiten sich zu qualifizieren: mit einer »klassischen« schriftlichen Dokumentation, mit einer realen Präsentation auf dem »Marktplatz« oder mit einer Präsentation bei einem Online-Gespräch. Besonders kommunikativ ist der Marktplatz, weil dort die Schüler*innen im Mittelpunkt stehen, sich die unterschiedlichen Altersgruppen auf Augenhöhe begegnen und den vielfältigen Schulformen eine Vernetzungsplattform gestellt wird. Kriterien der Qualifizierung sind unter anderem die Beteiligung der Schüler*innen, die Einbeziehung außerschulischer Kooperationspartner*innen, Öffentlichkeitsarbeit, internationale Kontakte mit dem Fokus auf BNE, Verankerung im Schulprogramm, Schulgebäude und -gelände als nachhaltiger Lernort sowie die jährliche (Weiter-)Entwicklung in zwei Bereichen. Beispiele für erfolgreiche Handlungsfelder gibt es viele, einige der besten möchten wir gerne vorstellen.

 

Ein Verkehrsprojekt für grünere Mobilität

 

Die Anna-Essinger-Gemeinschaftsschule bezeichnet sich als Werkstatt für ganzheitliches Lernen, dazu gehört die Beteiligung der Schüler*innen und die Bildung für nachhaltige Entwicklung.

Die Schüler*innen der Klima-AG nahmen im Schuljahr 2022/23 ihre Interessen in die eigene Hand und mischten sich mit dem Thema Mobilität, das in den Berliner Schulen oft nur eine Nebenrolle spielt, in die Bezirkspolitik ein. Vorher hatten sie sich inhaltlich umfassend mit der Mobilität an ihrer Schule auseinandergesetzt und Forderungen an die Schulkonferenz gestellt: Überdachte Fahrrad-Abstellplätze auf dem Schulgelände, sichere Rad- und Fußwege und verkehrs­beruhigende Maßnahmen im Schulumfeld. Diese Maßnahmen wurden den Lehrkräften und der GEV der Schule präsentiert mit dem Ziel, an einem Aktionstag »100 Schulzonen«, in Zusammenarbeit mit Changing Cities e. V., teilzunehmen. Es gab große Zustimmung bei den Lehrkräften und den Eltern. Danach wurden die Schul­gemeinschaft über den Volksentscheid »Berlin 2030 klimaneutral« informiert und die Forderungen allen Klassen vorgestellt, mit einer sich anschließenden Unterschriftensammlung. Es folgten weitere Maßnahmen wie die Mitarbeit im Netzwerk Schulsicherheit in Steglitz-Zehlendorf und die Vorstellung der Mobilitätskampagne im Bezirksschüler*innenausschuss (BSA). Es gab Gespräche mit Uwe Netzel, dem verkehrspolitischen Sprecher der SPD Steglitz-Zehlendorf sowie einen Besuch vom Landesvorstand der Berliner Grünen bei der Klima-AG zu einem Gedankenaustausch über Klimaschutz an Schulen. Auch am Stadtradeln und an der Sternfahrt des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) wurde sich beteiligt.

 

Smarte Wetterstationen und KlimaVisionen

 

Die Galilei-Grundschule überzeugte mit ihrer Erstbewerbung zur »Internationalen Nachhaltigkeitsschule – Umweltschule in Europa«. Das dort vorgestellte Schulprojekt »KiezKlimaGemeinsam« mit seinem Ziel, smarte Wetterstationen in die Schulumgebung und später in den Kiez zu installieren, ist erfolgreich gestartet. So haben die Schüler*innen sich mit dem Thema Klima beschäftigt und im Anschluss Wetterstationen gebaut. Auf der Schulwebseite können sie und alle Interessierten nun die aktuelle Luftqualität in der Umgebung der Schule einsehen. Es fand ein Kindergipfel mit Forderungen zum Umweltschutz und gegen Rassismus an der Schule statt. Es ist gelungen, die Vielschichtigkeit einer BNE erfolgreich in unterschiedlichen Bereichen des Schullebens anzubahnen oder umzusetzen.

Das Thema Klima beschäftigt nicht nur die Kleinen. Die beiden Oberstufenzentren Emil-Fischer-Schule und Ernst-Litfaß-Schule sind langjährige Nachhaltigkeitsschulen und haben unabhängig voneinander vielfältige eigene Schwerpunkte und Projekte entwickelt. Im letzten Schuljahr sind sie eine Partnerschaft eingegangen und nahmen gemeinsam am Projekt KlimaVisionen teil. Sie teilen sich ein Schulgebäude und betrachten daher ihre CO2-Kompensation in Hinblick auf Heizungs- und Energieverbrauch als Gemeinschaftsaufgabe. Das Projekt KlimaVisionen wird vom Unabhängigen Institut für Umweltforschung (UfU) an mittlerweile vierzig Berliner Schulen durchgeführt. Um einen »Ist-Stand« zu haben, wird als erster Schritt eine Schulbegehung durchgeführt, um mögliche Einsparungspotenziale ermitteln zu können. Als zweiter Schritt wird eine Visionswerkstatt durchgeführt: Lernende, Lehrende und weitere schulbeteiligte Personen beschäftigen sich gemeinsam mit dem Thema Umweltschutz. So entstand eine gemeinsame Roadmap für die Entwicklung der beiden Schulen in Richtung BNE. Es entstanden viele Projektideen zum Thema Klimaneutralität, wie die Gestaltung des Schulgeländes, eine Schulchallenge zum Heizungssparen, Sticker zum Lichtsparen, Sensibilisierung zur Mülltrennung, Pfandsystem in der Cafeteria und Wertschätzung des Schulessens.

 

Netzwerke bilden stärkt

 

Was macht eine Schule, die ihren Bildungsauftrag ernst nimmt und sich mit der gesamten Schulgemeinschaft für eine nachhaltige und lebenswerte Zukunft engagieren möchte? Sie sucht sich Mitstreiter*innen in ihrem Bezirk und in Berlin, die an einer Bildung für nachhaltige Entwicklung interessiert sind und diese in ihren Schulen aktiv umsetzen wollen. Die Brillat-Savarin-Schule ist seit vielen Jahren in das Netzwerk der Nachhaltigkeitsschulen eingebunden und im September 2023 zum dreizehnten Mal als »Umweltschule in Europa« ausgezeichnet worden. Sie bildet junge Menschen für alle Bereiche der Hotellerie und Gastronomie aus, einschließlich Berufsbefähigung und Studienqualifizierung. Als aufnehmende Schule sind der Einblick in die Arbeit und der Austausch mit den anderen, abgebenden Schulformen ein wertvoller Aspekt des Netzwerks Berliner Umweltschulen. Unterstützung bekommt sie von den koordinierenden Kolleg*innen in der Senatsverwaltung. Die jahrelange Zusammenarbeit hat vielfältige Projekte ermöglicht und dabei geholfen, die oftmals kleinteiligen Initiativen innerhalb der Schule zu großen gemeinsamen Vorhaben zu entwickeln und für alle sichtbar zu machen. Von der Energiebilanzierung über die Zukunftswerkstatt bis zum konkreten Maßnahmenplan konnte die Schulgemeinschaft mit vielfältigen Aktivitäten gemeinsam Schulgebäude und Aufenthaltsqualität verbessern. Ein grünes Klassenzimmer, Liegestühle im Freien und ein neu aufgelegtes Müll- und Pfandkonzept zeigen beispielhaft, wie Schule aktiv gelebt werden kann. »Für unsere Auszubildenden, die in ihren Betrieben als Multiplikator*innen der Nachhaltigkeit unzählige Menschen erreichen können, bilden diese schulischen Erfahrungen oft die Ausgangsbasis für eigenes Handeln im betrieblichen und privaten Umfeld. Dies zu erhalten und besser noch zu stärken, sollte Maxime der Berliner Bildungspolitik sein, um Austausch und Kooperation der Internationalen Nachhaltigkeitsschulen bestmöglich zu fördern. Wir würden es sehr begrüßen!«, so Ralf Späth, Abteilungsleiter Hotelfach der Brillat-Savarin-Schule, einem OSZ für Gastgewerbe.

 

Weitere Informationen: www.umweltschulen-berlin.de

Kontakt
Markus Hanisch
Geschäftsführer und Pressesprecher