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Schwerpunkt "Rastlos in der Uni"

Eine Frage der Technik

Hochschulen benötigen eine neue Form der Dokumentation von Arbeitszeit. Wie genau das aussehen kann, ist aber weiterhin unklar, die Anforderungen an Flexibilität und Genauigkeit sind widersprüchlich.

Foto: Bertolt Prächt

In vielen Gesprächen, die ich als Personalrätin führe, geht es um Zeit. Arbeitszeiten reduzieren, aufstocken, einteilen, verteilen et cetera. Und es geht auch um die Zeit, in der man sich für Andere engagiert, in Gremien, in der Einarbeitung oder Vertretung von Kolleg*innen.

Viele beschweren sich bei mir, dass sie nicht auf Knopfdruck anfangen oder enden können. Vor allem die wissenschaftlichen Mitarbeitenden beklagen sich, dass Kreativität und Forschungsdrang nicht im eng gesteckten Zeitrahmen abgefragt werden könnten. Lehrende bemängeln, dass die Zeit für die Vorbereitung der Lehre nicht genug gewürdigt wird. Aber auch Verwaltungskräfte beschweren sich, dass ihre Zeit nicht für die geforderten Aufgaben und Gremienarbeiten reicht und dass verschiedene Bedarfe der Arbeitszeitgestaltung in den unterschiedlichen Lebensphasen nicht berücksichtigt werden.

 

Der Wunsch nach Flexibilität

 

Sie wünschen sich mehr Flexibilität und Gestaltungsspielraum, mehr Work-Life-Balance und bessere technische Unterstützung für Workflows, mehr Anerkennung für ihre Ergebnisse und weniger Minuten-Fuchserei.

Wir haben jahrzehntelang für die 40-Stunden-Woche gekämpft. Wir haben durchgesetzt, dass Arbeitszeiten nicht willkürlich festgelegt und erweitert werden können. Wir haben erreicht, dass wir nicht gezwungen werden können, ohne Zeitlimit zu arbeiten und dass Pausen und Ruhezeiten geachtet werden. Wir haben lang genug gebraucht, um mit der Arbeitgeberseite und der Gesetzgebung eine Basis zu schaffen, damit Arbeiten nicht mehr »das halbe Leben« ist, sondern maximal 40 Prozent inklusive Fahrtzeiten. Aber wie wollen wir sehen, ob das alles eingehalten wird, wenn wir es nicht dokumentieren?

Jetzt sind wir gefragt, ein System zu finden, dass alle Wünsche erfüllt. Flexibel genug, dass es die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, sowie flexibles Arbeiten erlaubt und gleichzeitig exakt genug ist, dass es der Dokumentation und Gesetzgebung gerecht wird.

 

Ein Plädoyer gegen Fußfesseln

 

Lasst uns genau aufschreiben, wann wir tatsächlich arbeiten, damit unsere Produktivität nicht willkürlich auf einen Ort begrenzt wird. Lasst uns Pausen ernst nehmen und einhalten, damit wir nicht atemlos werden, sondern wirklich verschnaufen. Lasst uns freie Tage auch frei nehmen, und wenn wir an einem freien Tag arbeiten müssen, weil es nicht anders geht, dann lasst uns das wirklich zeitnah ausgleichen.

Wir sollten uns nicht beirren lassen, dass wir das nur mit einer lückenlosen technologischen Überwachung hinkriegen, denn das entspricht natürlich nicht den Tatsachen. In vielen anderen Branchen schafft man es ja auch, Arbeitszeit zu dokumentieren, ohne Fußfessel oder -angel. Wir stehen vor immer mehr Aufgaben und die Digitalisierung hat nicht wirklich eine Verringerung der Arbeit gebracht. Im Gegenteil, in manchen Bereichen hat sie sogar zu noch mehr Aufgaben geführt.

Die GEW setzt sich schon lange für gute Dokumentation von Arbeit ein, damit endlich die Gesamtleistung von Lehrenden, Forschenden und der Verwaltung von Erziehung und Bildung gerecht bewertet wird. Diese Forderung ist nach wie vor gültig, nur sollten wir weiter darüber ins Gespräch kommen, wie diese Dokumentation aussehen kann.

Kontakt
Markus Hanisch
Geschäftsführer und Pressesprecher