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Tendenzen

Erinnern gibt der Zukunft eine Chance

Die Familie Behrendt wird nicht vergessen. Dafür haben Schüler*innen der Heinz-Brandt-Schule in Weißensee drei Stolpersteine in das Gehwegpflaster eingelassen.

Foto: Stefan Grzesikowski

In diesem Jahr verlegten Schüler*innen, zusammen mit Wolfgang Behrendt und Dagmar Janke, drei Stolpersteine. Mitglieder ihrer Familie wurden nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Gedacht wird mit den Verlegungen Max Behrendt sowie Ottilie Reich und deren fünfjährigen Sohn Michael Scharff, die im Vernichtungslager Auschwitz ermordet wurden.

Die Schüler*innen des neunten Jahrgangs der Heinz-Brandt-Schule haben sich im Unterricht mit den Verbrechen des Nationalsozialismus und dem Projekt der Stolpersteine beschäftigt. Die einzelnen Steine werden vor dem letzten frei gewählten Wohnort von Verfolgten des Nationalsozialismus eingelassen. Auf einer Messingplatte an der Oberseite sind der Name und das Schicksal des Menschen, an den erinnert wird, zu lesen.

Gedenken an Max, Ottilie und Michael

Am 8. Mai wurde in der Landsberger Allee 8 Max Behrendt gedacht, der dort bist zu seiner Festnahme 1941 lebte. Max hatte zu dieser Zeit bereits einige Schicksalsschläge überstanden: seine Mutter starb 1914, sein Vater fiel, als er acht Jahre alt war, 1918 für Kaiser und Vaterland im Ersten Weltkrieg. Nach einer Zeit im Waisenhaus konnte Max eine Schuhmacherlehre absolvieren und als solcher arbeiten. Als junger Witwer, 1939 verstarb seine erste Frau, lernte Max 1940 eine Nicht-Jüdin kennen, die sich gerade in Trennung von ihrem Mann befand. Die beiden blieben trotz der damaligen Rechtslage zusammen, was zur Denunziation und Verhaftung im Mai 1941 führte. Wegen »Rassenschande« zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt, kam Max über das Gefängnis Plötzensee und weitere Zuchthäuser im April 1943 ins Stammlager des KZ Auschwitz. Im September 1943 wurde in Ausschwitz eine Sterbeurkunde für den 32-jährigen Max Behrendt ausgestellt, die Umstände des Todes sind unbekannt.

Im Anschluss wurden in der Barnimstraße 18 zwei weitere Stolpersteine verlegt, um damit Ottilie Reich, geborene Scharff, sowie ihres Sohnes Michael zu gedenken. Michael kam am 1. April 1938 als uneheliches Kind von Ottilie Reich und ihrem Lebensgefährten Bernhard Behrendt zur Welt. Die Familie lebte in angespannten finanziellen Verhältnissen, auch weil der Kindsvater kurz nach der Geburt Michaels im Juni 1938 ins Konzentrationslager Buchenwalt deportiert wurde. Staatliche Mietzuschüsse wurden zudem Ende 1939 für jüdische Familien gestrichen. Bernhard Behrendt wurde zwar nach einem halben Jahr aus dem KZ Buchenwald entlassen, musste aber Deutschland verlassen. Auf sich allein gestellt, lebte Ottilie Reich mit ihrem Sohn in unterschiedlichen Sozialwohnungen unter prekären Bedingungen. In einem Pflegebericht vom August 1942, wurde dem Sohn trotzdem eine normale und gute körperliche Entwicklung attestiert. Er ist ein »aufgeweckter, intelligenter Junge«, heißt es im Bericht.

Ein halbes Jahr später, im Februar 1943, wurden Ottilie Reich und ihr Sohn Michael Scharff mit dem dreißigsten Transport von Berlin nach Auschwitz deportiert, wo sie ermordet wurden.

Erinnerungsarbeit mit Schüler*innen

Die Stolpersteinverlegung wurde von Schüler*innen der neunten Klasse der Heinz-Brandt-Schule Berlin-Weißensee geplant und im Mai durchgeführt. Wie bereits bei der Verlegung der Stolpersteine für Max und Meta Behrendt 2021, wurde die Recherche und Vorbereitung durch die Angehörigen Frau Janke und Herr Behrendt mit Vorträgen in der Schule begleitet. Frau Janke hat dann damit insgesamt 25 Stolpersteine für Angehörige der Familie Behrendt initiiert, die sie jeweils mit Berliner Schulklassen verlegen ließ.

Unterstützt wurden die Verlegungen von der Berliner Stolperstein-Koordinierungsstelle, auf deren Internetseiten ausführlichere Biographien zu finden sind: www.stolpersteine-berlin.de/de/stolpersteine-finden

Wer das Projekt unterstützen möchte, kann dies über folgenden Link tun: www.betterplace.org/de/projects/­122448-drei-weitere-stolpersteine-fuer-familie-behrendt

Kontakt
Markus Hanisch
Geschäftsführer und Pressesprecher