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Standpunkt

Ich will nicht mehr zählen

In den USA werden jedes Jahr Menschen sinnlos getötet, weil sich die Waffenlobby trotz aller Proteste übermächtig hält.

Wie viele Kinder wurden beim Spielen mit Papas Pistole getötet, wie viele durch den erweiterten Suizid eines großen Bruders, wie viele bei einem Massaker in der Schule, wie viele auf einem Parkplatz?

Auch die Begründungen der Täter interessieren mich nicht, und warum sie ihre normalen pubertären Probleme nicht in einer Beratung oder Therapie bearbeiten konnten oder wollten, oder warum sie keine oder die falschen Freunde hatten. Diese sogenannten Gründe würden alle nicht zu den Ergebnissen führen, die uns jedes Mal erneut tief erschüttert verzweifeln lassen, nämlich tote Kinder. Wenn Menschen nicht so leichtfertig todbringende Waffen in die Hände bekommen hätten, dann müsste es die toten Kinder nicht geben.

Viele der amerikanischen Eltern waren bestimmt einmal froh, die repressiven und verängstigenden Erziehungspraktiken, die sie selbst erlitten hatten, endlich für ihre Kinder nicht mehr mit ansehen zu müssen. Auch wenn nicht überall Summerhill praktiziert wurde, so setzte sich doch überwiegend eine schöpferische, freiheitsliebende Atmosphäre in den Schulen durch. Die dürfte nun vorbei sein, denn Angst und Sicherheitsbestreben bestimmen das alltägliche Denken und Handeln und schränken so jede freie und schöpferische Entfaltung fundamental ein.

Denn auch die staatlichen Schutzkräfte, ausgestattet mit allen Waffen, die sich die Waffenlobby so vorstellt, bieten keinen Schutz. Sie gehen offenbar erst in die Offensive, wenn kein Risiko für sie mehr zu erwarten ist.

Dass eine Bewaffnung von Lehrkräften eine Lösung darstellen soll, ist so dumm wie absurd, dass ich hier überhaupt nicht darauf eingehen mag. Als verantwortungsvoller Elternteil kann man eigentlich nur zum Hausunterricht für seine Kinder übergehen, wenn man es sich denn leisten kann. Allerdings beschränkt sich die Gefahr, durch unzurechnungsfähige, skrupellose Waffennarren verletzt zu werden, nicht nur auf den Bereich der Schule.

Solange es in den USA keine Kehrtwende in der Bewaffnungspolitik gibt, plädiere ich für ein Embargo und eine Ächtung gegen die Menschen und ihr Vermögen, denen der Profit aus ihren Mordgeschäften wichtiger ist, als einer der grundlegendsten moralischen Werte des menschlichen Miteinanders. Überall, wo Waffen existieren, werden sie auch eingesetzt, oft von Menschen, die kaum ihre Wirkungsweise verstehen oder in der Lage sind, eine ansatzweise moralische Begründung zu artikulieren, die es ohnehin nicht geben kann.

Warum werden zum Beispiel nicht die Firmen in der NRA (National Rifle Association) und die Gouverneure mit Sanktionen belegt, die am liebsten jeder Lehrerin und jedem Lehrer verpflichtend ein Sturmfeuergewehr in die Schultasche stecken würden?

Wenn die Profiteure kein Geld mehr mit dem Tod anderer verdienen können, dann besinnen sie sich vielleicht auf ihr eigenes Daseinsfundament, dem Humanismus in der Gesellschaft, die sie umgibt und ihnen ein sorgenfreies Leben im Wohlstand garantiert.

Lasst uns Sanktionslisten fordern, ähnlich denen gegen Oligarchen, die Russlands Krieg unterstützen. Vielleicht kann es ein Label geben für Unternehmen, die nicht mit Waffen zu tun haben; vor dem UNO-Gebäude in New York steht schon ein wunderbares Symbol – »Non-Violence«.  

Kontakt
Markus Hanisch
Geschäftsführer und Pressesprecher