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Kinder-, Jugendhilfe und Sozialarbeit

Krank werden in der Kita

Während der Pandemie wurden wir daran erinnert, auf unsere Gesundheit zu achten. Leider scheint diese Lehre nun wieder verblasst zu sein.

Kinder bei Puppentheater im Kindergarten
Foto: Adobe Stock

Wer kennt es nicht? Man bringt morgens sein Kind in die Kita und wird von den Beschäftigten gefragt, ob man zur Unterstützung und wegen des hohen Krankenstandes sein Kind schon zum Mittag abholen kann. So sieht es von außen aus. Wenn man sich mal die Lage der Beschäftigten anschaut, wird es interessanter.

Vor Corona gehörte es zu unserem Arbeitsalltag in den Kitas, dass wir durchhalten sollen. »Ein Kratzen im Hals ist kein Grund, zu Hause zu bleiben.« Durch diese weit verbreitete Haltung verfestigte sich erst so manch eine Erkältung zu einer ausgewachsenen Krankheit. Mit Corona haben wir gelernt, auf unseren Körper und seine Signale zu hören und eher mal zu Hause zu bleiben. Um uns zu erholen und um andere nicht unseren Bakterien und Viren auszusetzen. Die Statistiken zeigen, dass Beschäftigte in Kitas zu den Berufsgruppen gehören, die die meisten Krankmeldungen vorweisen.

 

Lehren aus Corona verschwinden

 

Nun verlernen wir diese Erkenntnis wieder. Das Arbeitsethos bricht sich seine Bahn. Schnupfen, Husten, Kopfschmerzen und verschiedene weitere Symptome führen nicht zur Krankmeldung. Corona gerät in Vergessenheit. Die Erwartungshaltung in den Teams gegenüber den einzelnen Beschäftigten der Einrichtungen steigt wieder.

Trotzdem lässt sich beobachten, dass kurzzeitige Ausfälle von mehreren Tagen bis zwei Wochen den großen Teil der Ausfallzeiten ausmachen. Langfristige Ausfälle scheinen seltener zu werden. Zumindest bekommen sie eine geringere Bedeutung, wenn man sie in Relation zu diesen kurzzeitigen Ausfällen setzt. Die Krankenkassen sehen den Grund für die Masse an kurzen Ausfällen in der schieren Erschöpfung der Beschäftigten in Kitas. Mit anderen Worten: psychische Belastungen sind hoch.

Einerseits haben wir also die Grundhaltung, körperliche Krankheitssymptome zu überhören. Andererseits haben wir dennoch, also on top, hohe Ausfallzeiten zu verzeichnen. Genannt wird von den Kassen hierbei das schwergewichtige Wort Erschöpfung. Worüber reden wir dann eigentlich in den Kitas? Bakterien und Viren gehören zum Arbeitsumfeld dazu, weil sich die Körper der Kinder, konkret ihre Immunsysteme, erst aufbauen müssen. Sich anniesen oder anhusten zu lassen ist normal. Die Immunsysteme der Beschäftigten bauen sich im Laufe der Dienstjahre auch auf. Trotzdem spüren wir die Belastungen des Arbeitsplatzes. In voller Teamstärke wird selten gearbeitet.

 

Kitas im eingeschränkten Betrieb

 

Die Arbeitgeber*innen würden sicherlich gerne früher helfen, tun dies im Regelfall aber erst nach sechs Wochen Ausfallzeit, weil sie erst dann das Geld in die Hand nehmen können. In diesem Kita-Jahr haben die Kitaaufsichten zum ersten Mal verstärkt die konkrete tagesaktuelle Anzahl der Beschäftigten im Blick. Und dies hat Folgen für die Träger und Kitas, zuweilen auch die Eltern. Verkürzte Öffnungszeiten, Teilschließungen, runtergeschraubte Aufnahmekapazitäten, Belegungsstopps und Vertragsauflösungen sind Instrumente der Institutionen, um im Fall der Fälle agieren zu können.

Vielen Beschäftigten geht es schlecht damit, weil es ihrer Meinung nach auf Kosten der Eltern und vor allem der Kinder geht. Ich habe eher den Eindruck, dass viele Eltern den Institutionen Beine machen und wegen dem Druck der Eltern etwa die Kitaaufsicht Träger zum Beispiel zum kurzfristigen Einkauf von Leiharbeit verpflichtet, um den Betrieb überhaupt auf einem gewissen Niveau aufrechterhalten zu können.

Das Kitasystem kränkelt. Medikamente sollten eine Anpassung des Personalschlüssels und Maßnahmen des Gesundheitsschutzes am Arbeitsplatz sein. Und so wie jede*r für seine Medikamente bezahlt, dürfte die Bereitschaft vorherrschen, als Elternteil nach Sozialstaffelung einen finanziellen Beitrag für ein notwendiges »Medikament« zu zahlen. Weniger Kinder in den viel zu kleinen Räumen wären ein sinnvoller Einsatz des Geldes. Vor allem sollten Träger endlich Sanktionen spüren, wenn sie sich nicht an ein Mindestmaß an Fachkräften halten.

Kontakt
Markus Hanisch
Geschäftsführer und Pressesprecher