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Schule

Mörtel spritzt und Funken fliegen

Ein Blick hinter die Kulissen der Knobelsdorff-Schule.

Foto: Michael Manneck

Diesen Mai war ABS, die Abteilung der berufsbildenden und zentral verwalteten Schulen, endlich mal wieder »on Tour«. In unregelmäßigen Abständen besuchen wir eine unserer Schulen oder andere Orte der Berufsbildung. Dieses Mal waren wir an der Knobelsdorff-Schule. In der Berufsfachschule werden Tischler*innen, Zimmerer*innen, Beton- und Stahlbauer*innen, Maurer*innen, Elektroniker*innen, Konstruktions- und Anlagenmechaniker*innen ausgebildet. Diese Schule ist einmalig, da sie die beiden Lern­orte der dualen Ausbildung – Berufsschule und Ausbildungsbetrieb – in sich vereint. Die Werkstätten der einzelnen Gewerke sind sehr gut mit modernen Maschinen ausgestattet. Die Materialbeschaffung und Arbeitsorganisation läuft ähnlich wie in einem Betrieb der Privatwirtschaft.

 

Die hohe Kunst des Handwerks

 

Vier Kollegen führten uns durch die vielen verschiedenen Werkstätten und gaben uns Einblicke in ihre Tätigkeitsbereiche. In einer der großen Hallen roch es nach Mörtel und Lehm und die Luft war warm und nass. Bis vor kurzen hatten hier anscheinend die Maurerauszubildenden ihr Handwerk verrichtet. Um die Innenwände der Halle herum sind viele kleine »Kabuffe«, in denen die Auszubildenden Stein auf Stein Ansätze von Mauern unterschiedlicher Materialien »hochziehen« und nach Besichtigung und Besprechung mit einem der Meister wieder einreißen. Vor allem die Fugen sind äußerst wichtig: Die Normhöhe ist ungefähr ein Finger breit! Attraktiv ist der Ausbildungsberuf nicht, erzählt uns der Meister. Viele junge Menschen meiden ihn, da er nicht nur körperlich sehr anstrengend, sondern auch schmutzig und staubig ist. Schade! Wir haben die hohe Kunst des Handwerks sehr bestaunt. Wir konnten Rundbögen und Spitzbögen besichtigen, die ab dem dritten Ausbildungslehrjahr in der Halle der Maurerauszubildenden errichtet wurden. »Ohne Geometrieunterricht vor dem Mauern geht hier gar nichts« referierte der Meister und führte aus, wie im Mittelalter die unterschiedlichen Bögen von großen Kirchen konzipiert und gemauert wurden, ein echt interessanter und lehrreicher Teil unserer Rundtour.

Am besten hat uns die Werkstatt der Anlagenmechaniker*innen gefallen. Was sicherlich auch daran lag, dass hier sieben Auszubildende auf uns warteten, um uns von ihrem zukünftigen Beruf zu erzählen. Nach anfänglicher Schüchternheit führten uns Igor und Mustafa stolz ihr Können mit dem Lötbrenner vor. »Eine perfekte Schweißnaht« stellte ihr Lehrer zufrieden fest. Er lobte die Schüler, die kurz vor der Zwischenprüfung stehen. Die Ausbildung ist in den letzten Jahren immer anspruchsvoller geworden, die Hälfte der Auszubildenden fällt durch. Er ist sicher, dass »seine Jungs« alle bestehen werden. Außerdem erkennt er in zweien von ihnen bereits das Potential in seine Fußstapfen zu treten. Sehr erfreulich und besonders wichtig in Zeiten des Lehrkräftemangels.

 

Stolz auf die erlernten Fähigkeiten

 

Die Schweißkünste, die sie in der Schule lernen, werden sie später aber wohl nur noch selten anwenden können. Heute wird nur noch »gepresst«, nicht mehr geschweißt. Mit einem Filzer die Einstecktiefe des Rohres markieren, damit das richtig sitzt und nicht verrutscht, Rohr in die Pressmaschine legen, Knopf drücken, fertig. Unnötig finden sie das Erlernen der Schweißtechniken aber trotzdem nicht, denn »Schweißen ist Handwerk, Pressen ist Lego.«, wie Mustafa verächtlich anmerkte. Die Jungs sind stolz auf die Fähigkeiten, die sie hier erwerben. Und warum wollen sie eigentlich Anlagenmechaniker werden, haben wir sie abschließend gefragt: »Na, duschen und die Toilette benutzen müssen die Leute doch immer!« Recht haben sie und wir wünschen ihnen alles Gute für ihre Zukunft. Wir brauchen sie dringend. Der Besuch der Knobelsdorff-Schule war toll, wir konnten viele spannende Einblicke gewinnen und haben den Abend bei einem gemütlichen gemeinsamen Abendessen ausklingen lassen. Eines ist sicher, die ABS war garantiert nicht das letzte Mal »on Tour«.

Wenn du Mitglied an einer berufsbildenden oder zentral verwalteten Schule bist, erhältst du die Einladung zu allen unseren Veranstaltungen per E-Mail. Wir treffen uns circa einmal pro Monat dienstags um 18.30 Uhr im GEW-Haus und tauschen uns zu verschiedenen bildungs- und tarifpolitischen Themen aus. Neue Gesichter sind immer gern gesehen. Kontakt: abs(at)gew-berlin(dot)de

Kontakt
Markus Hanisch
Geschäftsführer und Pressesprecher