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Der ExzellenzzirkusBei den Studierenden kommt nichts an

Man könnte meinen, für Studierende sei es ein Privileg, an einer Eliteuniversität zu studieren. Doch tatsächlich verbessern die zusätzlichen Gelder weder den Studienalltag noch die Lehrqualität.

10.07.2020 - von Juliane Ziegler

Zusätzliches Geld fließt dank der Zuerkennung des Exzellenzstatus in die Kassen der Berliner Universitäten. Bei den Studierenden kommt von den Exzellenz-Millionen, die im Übrigen gar nicht so viele sind, allerdings so gut wie nichts an. Im schlimmsten Fall nehmen die Exzellenzstrategie und ähnliche Projekte sogar Ressourcen weg, die für Lehre und Studium dringend benötigt werden. Beispielsweise indem sie Arbeitszeit von Universitätsmitarbeiter*innen beanspruchen, die dann bei der Lehre wegfällt oder Ressourcen der Hochschulfinanzierung binden, die anderweitig gebraucht werden könnten. 

Leider ist die Exzellenz-Show – vom tatsächlichen Inhalt des Wettbewerbs kann ja kaum jemand was erzählen – jetzt fester Bestandteil des deutschen Hochschulsystems. Dass es der aktuellen Hochschul- und Wissenschaftspolitik von Bund und Ländern nicht um Studierende geht, und das erst recht nicht im Exzellenzwettbewerb, sieht man in der gegenwärtigen Corona bedingten Krise ganz deutlich: Ein Drittel der Studierenden erwägt derzeit einen Studienabbruch und bis heute gibt es keinerlei ernstzunehmende finanzielle Zuschüsse oder anderweitige Krisenunterstützung, Exzellenz-Uni hin oder her. Dass sich das massiv auf die Abschlusszahlen, die Ziele in der Lehrkräftebildung und die davon abhängige, in den Hochschulverträgen geregelte Hochschulfinanzierung auswirken wird, scheint derzeit niemanden zu interessieren.

Die Fragen, wer in den nächsten Jahren in den Schulen unterrichten und wer für die ganzen Unternehmen arbeiten soll, denen derzeit die Steuergelder hinterhergeschmissen werden und in absehbarer Zeit die Absolvent*innen fehlen werden, soll uns mal jemand beantworten. 

Hinzu kommen gravierende soziale Konsequenzen: Diese Krise trifft vor allem finanziell schlechter gestellte Studierende, Studierende mit Kindern, anderweitigen Care-Verpflichtungen und ausländische Studierende. Sie wird sich massiv auf die Zusammensetzung der Studierendenschaft, damit auf die Gesellschaft auswirken und letztendlich Klassenunterschiede verstärken. Das alles bestätigt unseren Eindruck, dass der gesamte Exzellenz-Zirkus nicht mehr ist als ein kostspieliger, zeitaufwändiger PR-Gag zu Lasten der Studierenden und der Hochschulmitarbeiter*innen.

Für einige Studierende mag das Prestige einer Elite--Universität einen gewissen Reiz haben und zu ihrer Hochschulwahl beitragen. Als ihre Interessensvertretung sehen wir es dennoch nicht als unsere Aufgabe, deshalb die Exzellenzstrategie gutzuheißen. Faktisch hat nämlich, aller Werbematerialien zum Trotz, Exzellenz hier mit Lehr- und Ausbildungsqualität nichts zu tun. Studierende darüber aufzuklären ist uns wichtiger als ihnen die gleiche PR-Show zu liefern, wie Land und Hochschulen es tun. Vergoldete Türklinken und die paar, für Geldgeber hergerichteten, Empfangsräume sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass kein einziger der auseinanderfallenden Seminarräume durch die Exzellenz renoviert wird. Dadurch entstehen auch keine neuen Lehrformate, bessere Didaktik oder ähnliches. Wir setzen uns nach wie vor lieber dafür ein, dass das Hochschulsystem gerecht und den Bedürfnissen von Studierenden entsprechend aufgebaut wird. Das ist ohne Ressourcen- und Geldverschwendung zugunsten irgendeines Exzellenz-Rummels eher zu erreichen.

Wir würden uns wünschen, dass diese Ressourcen, so wie auch die Gelder aus der Exzellenzstrategie, in eine ausreichende Grundfinanzierung der Hochschulen, die Verbesserung der Arbeitsbedingungen für Mitarbeiter*innen und einen Bebauungs- und Renovierungsplan für Hochschulgebäude investiert werden. Solide finanzierte Bildung mit vernünftigen Arbeitsbedingungen für alle sollte die Priorität sein, statt dürftig aufgestellte Leuchtturmprojekte mit befristeten Stellen für wenige.