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Kinder-, Jugendhilfe & SozialarbeitLeitung ohne Anerkennung

Die Tätigkeiten koordinierender Erzieher*innen sind vielfältig. Ihnen obliegt faktisch die Leitung des Ganztagsbetriebes. Entsprechend honoriert wird diese Arbeit jedoch nicht. Dabei würden auch alle anderen Erzieher*innen davon profitieren.

05.04.2018 - von Dagmar Berditzka

Der Bereich der ergänzenden Förderung und Betreuung (eFöB) an unseren Schulen wächst stetig. Egal, wie groß der Bereich ist und wie viel Kolleg*innen im Team sind, es gibt nur eine koordinierende Erzieher*in. Ihr obliegt faktisch die Leitung des Ganztagsbetriebs. Doch gewürdigt wird die wichtige Aufgabe der koordinierenden Erzieher*innen viel zu wenig. Eingruppierungen bleiben von der Größe des eFöB-Bereichs unberührt. Stellvertreter*innen sind nicht vorgesehen.

Schon Professor Rudow verwies in seiner Studie aus dem Jahr 2015 auf die Zusammenhänge zwischen den strukturellen Rahmenbedingungen, den arbeitsorganisatorischen Bedingungen, der Ausstattung der Schulen, sowie der Wertschätzung der Arbeit der Erzieher*innen auf die Gesundheit der Kolleg*innen. Das zeigt, wie wichtig und notwendig grundlegende Veränderungen beim weiteren qualitativen Ausbau des Ganztags sind. Es darf nicht weiter bei Lippenbekenntnissen bleiben, denn Nachwuchs fehlt schon jetzt.

Die GEW BERLIN hat nach dieser Studie entsprechende Forderungen an die Politik formuliert. Mit der Dienstvereinbarung zur mittelbaren pädagogischen Arbeit (mpA), die verbindliche Zeiten für die Vor- und Nachbereitung schafft, ist ein erster Schritt getan. Wichtig ist jetzt, dass die vereinbarte Evaluation der Dienstvereinbarung in allen Bezirken aktiv unterstützt wird.

Es ist Zeit für Gleichberechtigung

Eine Kernforderung ist, die Tätigkeit der koordinierenden Erzieher*innen als Leitungstätigkeit anzuerkennen. Schon jetzt leisten diese Kolleg*innen Leitungsarbeit. Sie sind für den gesamten Bereich der ergänzenden Förderung und Betreuung verantwortlich, indem sie pädagogische Konzepte erarbeiten und umsetzen, Dienstpläne erstellen, Dienstberatungen durchführen, ihr Team leiten und Ansprechpartner*innen für Eltern und Kolleg*innen bei Sorgen und Problemen sind. Vielfältige Verwaltungsaufgaben, wie die Abrechnung der Gelder aus dem Bildungs- und Teilhabepaket (BuT), Bestellung von Materialien und Urlaubsplanungen sind auch zu bewältigen. Und: In nicht wenigen Fällen haben sie auch eine Personalverantwortung!

Koordinierende Erzieher*innen sind in vielen schulischen Gremien vertreten und ein wichtiges Bindeglied zwischen Schulleitung, Lehrer*innen und Erzieher*innen.

Es ist an der Zeit, dass diese vielschichtige und verantwortungsvolle Tätigkeit auch endlich im Organisationsbereich der Schule wertschätzend anerkannt und gewürdigt wird. Der Tarifvertrag (TV-L) ist hierfür bereit, ein entsprechendes Tätigkeitsmerkmal ist vorhanden. Alleine das Berliner Schulgesetz steht hier im Weg. Dieses sieht die Schulleitung nach wie vor als Alleinverantwortlichen für die gesamte Schule. In Zeiten, in denen von multiprofessionellen Teams die Rede ist und das Aufgabenspektrum der Schule immer breiter wird, sind auch verschiedene Professionen für deren Leitung und Gestaltung unabdingbar. Das Berliner Schulgesetz bedarf einer Änderung, die koordinierende Erzieher*innen als gleichberechtigten Teil der Schulleitung definiert.

Dies würde dann auch zur Aufwertung der Stellung der Erzieher*innen an unseren Schulen führen und damit wäre ein wichtiger Schritt in Richtung eines gleichberechtigten Miteinanders unter Lehrer*innen und Erzieher*innen getan.     

Für die notwendigen Veränderungen müssen wir Druck machen und uns vernetzen. Komm zum nächsten Treffen der Zukunftswerkstatt am 16. April um 16.15 Uhr im Rathaus Helle Mitte, E-Mail: marzahn-hellersdorf(at)gew-berlin(dot)de