GEW - Berlin
Du bist hier:

GewerkschaftUnsere Frauenvertreterinnen

In den Bildungseinrichtungen übernehmen Frauenvertreterinnen wichtige Aufgaben für die Beschäftigten. Acht von ihnen geben einen Einblick in ihre Arbeit.

16.09.2021

Foto: privat

Annejule Richter, Mitte

Im November 2020 wurde ich zur Frauenvertreterin und Katharina Dimitrov zur Stellvertreterin für 3.400 Beschäftigte gewählt. Seitdem beteilige ich mich an allen personellen, organisatorischen und sozialen Maßnahmen wie Neueinstellungen, Umsetzungen und Auswahlverfahren für Führungspositionen. Dabei lege ich besonderes Augenmerk auf die Einhaltung des Landesgleichstellungsgesetzes. Schulaufsicht und Schulleitung sind verpflichtet, aktiv auf die Gleichstellung von Frauen und Männern hinzuwirken und bestehende Unterrepräsentanzen zu beseitigen. Der Frauenförderplan legt hier konkrete Maßnahmen fest, beispielsweise, dass Menschen in Elternzeit auf dem Laufenden gehalten werden müssen, was Fort- und Weiterbildung angeht. Ich informiere und berate Beschäftigte – übrigens nicht nur Frauen – und Schulleitungen zum korrekten Umgang mit Teilzeit. Außerdem bin ich auf Wunsch dabei, wenn nach langer Krankheit der Wiedereinstieg gestaltet wird.  

 

 

  

Foto: privat

Wiebke Senff, Pankow

Für mich besteht die Funktion der Frauenvertreterin im Wesentlichen darin, die demokratischen und rechtlichen Abläufe an Schulen im Hinblick auf die Berücksichtigung der Frauen zu begleiten und zu prüfen. Da die Gleichstellung selbst in unserem sehr stark weiblich geprägten Arbeitsbereich nicht überall gegeben ist, ist es meine Aufgabe, verschiedene Bereiche im Blick zu haben, wie: Werden Frauen hinreichend gefördert? Kommt es in den Arbeitsabläufen zu Diskriminierungen, beispielsweise bei der Besetzung von Stellen oder der Erteilung von dienstlichen Beurteilungen? Hier kann ich mit Hilfe des Landesgleichstellungsgesetzes (LGG) einhaken und im besten Fall korrigierend einwirken. Ein Thema, das wir aus meiner Sicht stärker mit gewerkschaftlichem Engagement verfolgen sollten, ist, wie die Lebensrealitäten von Frauen besser im System Schule berücksichtigt werden können. Die Mehrfachverantwortung vieler Frauen (Berufsleben, Privatleben, Sorgearbeit, Familienarbeit, Haushalt) in Kombination mit überlebten, einer demokratischen Gesellschaft und unserem Grundgesetz nicht angemessenen Frauenbildern, erschweren vielen Frauen noch immer das berufliche Weiterkommen.

 

 

 

 

Foto: Fotostudio Charlottenburg

Sabine Pregizer, Charlottenburg-Wilmersdorf

Als Frauenvertreterin von Charlottenburg-Wilmersdorf setze ich mich seit fast fünf Jahren für die Gleichstellung der Kolleginnen ein. Im Bezirk waren 2019 im berlinweiten Vergleich die wenigsten Funktionsstellen an weiterführenden Schulen mit einer Frau besetzt. In Anbetracht dessen sowie der zahlreichen unbesetzten Stellen dränge ich auf zügige Funktionsstellenbesetzungen und gegebenenfalls kommissarische Stellenbesetzungen. Weiterhin setze ich mich für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein. Vor und während der Pandemie konnte ich viele Kolleginnen erfolgreich dabei unterstützen, dass für sie eine familienfreundliche und gesunderhaltende Regelung am Arbeitsplatz getroffen wird. Ich achte darauf, dass das regionale Personalentwicklungskonzept einen großen Akzent auf die Frauenförderung, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie den geschlechtergerechten Sprachgebrauch legt. Gleichstellung beginnt im Kopf und sie ist unter anderem dann verwirklicht, wenn es keine gravierenden Unterschiede mehr bei der Altersversorgung gibt. Aus diesem Grund lautet das Thema unserer Frauenversammlung in Charlottenburg--Wilmersdorf am 1. September 2021 »Frau und Rente – Frau und Pension.« 

 

 

 

 

Foto: Fotostudio Charlottenburg

Bianca Benz, Tempelhof-Schöneberg

Wir, die hauptamtliche Frauenvertreterin Anke Müller und die stellvertretende Frauenvertreterin Bianca Benz, sind seit Anfang dieses Jahres in Tempelhof-Schöneberg tätig. Die Frauenvertreterin berät und unterstützt in allen Belangen hinsichtlich der Gleichberechtigung am Arbeitsplatz. Auf dem Weg zu einer demokratischen Schule möchte ich den Beschäftigten umfängliche Kenntnisse über ihre Rechte vermitteln, nicht zuletzt, damit eine erfolgreiche Mitgestaltung des Schullebens und Schulmanagements ermöglicht wird. Dazu gehört insbesondere auch eine Grundzufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen. Ein ausbaufähiges Thema ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, welche noch viel stärker in den Schulen mit konkreten Beschlüssen verankert und umgesetzt werden kann.

 

 

 

 

Foto: Fotostudio Charlottenburg

Annette Lenz, Neukölln

Ich vertrete gemeinsam mit meinen Stellvertreterinnen, Annika Schrader und Anne König, rund 3.000 weibliche Beschäftigte an den Neuköllner Schulen auf vielfältige Weise: Auf Wunsch findet eine Beratung zu Fragen bei beruflicher Entwicklung, zum Wiedereinstieg nach Krankheit und zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf statt.

Ich vermittle bei Konflikten mit Kolleg*innen oder Schulleitungen und begleite Frauen in Fällen von Diskriminierung oder sexueller Belästigung am Arbeitsplatz. Nicht zuletzt tausche ich mich regelmäßig mit den vielen engagierten Kontaktfrauen an den Schulen aus und versorge sie mit Informationen über unseren Newsletter.    

 

 

 

      

Foto: Fotostudio Charlottenburg

Ines Riedel, Frauenvertreterin der berufsbildenden und zentral verwalteten Schulen

Als Frauenvertreterin werde ich mich zusammen mit meiner Stellvertreterin Conny Großmann weiterhin für den Aufbau eines Familienbüros einsetzen. Dadurch können wir unsere Beschäftigten mit betreuungspflichtigen Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen stärker unterstützen und beraten. Nur der Verwaltungsbereich der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie wurde bisher für seine familienbewusste Personalpolitik mit dem Zertifikat »audit berufundfamilie« ausgezeichnet. Für unsere Schulen fehlt es bisher an einer solchen Zertifizierung. Das kann nicht sein! Die Pandemie hat mehr als deutlich offengelegt, wie schwierig es für unsere Familien ist, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren und den Frauenförderplan in unseren Schulen umzusetzen. Gemeinsam mit der GEW werden wir unsere gesetzten Ziele hoffentlich erreichen.

 

 

 

Foto: Fotostudio Charlottenburg

Friederike Peiser, Stellvertretende Gesamtfrauenvertreterin und Elke Gabriel, Gesamtfrauenvertreterin

Wir sind mit den regionalen und landesweiten Frauenvertreterinnen vernetzt und achten gemeinsam darauf, dass die rechtlichen Vorgaben des Landesgleichstellungsgesetzes beachtet und der Frauenförderplan umgesetzt wird. Unser Werkzeugkasten ist dafür das Informations- und Beanstandungsrecht. Das nutzen wir, indem wir strukturelle Benachteiligung von Frauen beanstanden, damit die Rechte der Beschäftigten gewahrt werden. Konkret prüfen wir, ob beispielsweise die Ausführungsvorschrift zur Lehrkräftebeurteilung, Versetzungen in ein anderes Bundesland, Fort- und Weiterbildungen oder andere Entscheidungen der Senatsbildungsverwaltung Frauen mittelbar oder unmittelbar diskriminieren. Wir sind im Austausch mit dem Gesamtpersonalrat und der Gesamtschwerbehindertenvertreterin, unseren GEW-Kolleg*innen – denn nur zusammen sind wir stark.