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Kolumne

Schöne neue Welt

Foto: GEW

Wir schreiben das Jahr 2045. Die Klimaziele wurden nicht erreicht. Heute sollen es 38 Grad werden. 14-Jährige laufen durch den morgendlichen Januarnebel zu ihren Arbeitsplätzen in den Fabriken. Ich habe das Glück, noch ein Jahr in die Schule gehen zu dürfen. Nach der achten Klasse müssen wir aber von der Schule abgehen, da die Jugendlichen als Arbeitskräfte für die schrumpfende Wirtschaft gebraucht werden. Ich gelange zum Schulgebäude und gehe Richtung Klassenzimmer. Der Countdown über der Tür zeigt an: »71 Jahre und 38 Tage bis zur Rente«. »Hab ich‘s gut«, denke ich mir, »meine Kinder werden mit Sicherheit noch viel länger arbeiten müssen«. Ich betrete den viel zu kleinen Raum, in dem sich meine 46 Klassenkamerad*innen in ihren Doppelstocktischen stapeln. Ich hole meinen Collegeblock raus, auch wenn ich viel lieber digital schreiben würde. Doch das Kultusministerium wird zu großen Teilen von der Papierlobby finanziert. Nach den ersten sechs Stunden Unterricht gehe ich in eins der abgeranzten Badezimmer, um mich vor der zweiten Hälfte des Schultages zu erholen. Schon lange gibt es hier kein Wasser mehr, da alle Reserven aufgebraucht sind und ganz Brandenburg versteppt ist. Zurück im Klassenzimmer nehme ich auf einem der wackeligen Schemel Platz. Unser Klassenlehrer, ein Mittsiebziger, der angeblich schon zu Zeiten unterrichtet haben soll, als man noch ganze 13 Jahre zur Schule ging, beginnt kreischend auf der Tafel zu schreiben. Schließlich fängt er an, Folien auf dem Overheadprojektor zu präsentieren …

Kontakt
Markus Hanisch
Geschäftsführer und Pressesprecher
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