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Gewerkschaft

Unhaltbare Vorwürfe

Die AG Berufsverbote der GEW BERLIN stellt die Verhöre zur freiheitlich demokratischen Grundordnung von vor 50 Jahren nach. Am 6. Mai eröffnet die AG ihre Jubiläumsausstellung.

Foto privat - Mitglieder der AG Berufsverbote

Welche Herausforderung! Wir AG Berufsverbote der GEW BERLIN erhalten das Angebot, im Brecht Literaturhaus Mitte Februar eine Veranstaltung zum Thema 50 Jahre Berufsverbote zu gestalten. Dies im Rahmen einer zweitägigen Konferenz, die mit hochkarätigen Expert*innen zu dem Thema besetzt ist.

Nach Fertigstellung unserer Ausstellung zu den Berufsverboten in West-Berlin haben wir genügend interessantes Material zur Verfügung. Wir entscheiden uns für eine szenische Lesung mit »Verhörprotokollen«, eine Powerpoint-Präsentation, angelehnt an unsere Ausstellung und das Portrait von Rainer Rowald, ehemaliger Kollege an der Fritz-Karsen-Schule, zehn Jahre vom Berufsverbot bedroht, im Gespräch mit Schüler*innen seiner ehemaligen Schule.

Bei der Sichtung des vielfältigen Materials, Dokumentationen, Broschüren zu Fällen, Protestresolutionen haben wir Gedächtnisprotokolle von verhörten Bewerber*innen entdeckt, die uns das Groteske und die Rechtlosigkeit präsent machten, denen Bewerber*innen damals ausgesetzt waren: kein juristischer oder personalrätlicher Beistand, keine Einsicht in die Unterlagen, aus denen die Verhörer schöpften, Verfassungsschutzquellen, teilweise gefälschte, unhaltbare Vorwürfe und Aussagen. Es war wohl für die Verhörten eine Möglichkeit, sich gegen diese Behandlung zu wehren: Sie verfassten Gedächtnisprotokolle, die das Skandalöse dieser Verhöre öffentlich machten.

Mit dem Rückblick auf diese Zeit haben wir das vorhandene Material bearbeitet und vier Verhöre mit unterschiedlichen Schwerpunkten zusammengestellt. Wichtig ist uns dabei, die Erinnerung an die damalige Situation erlebbar zu machen. Eine Schwierigkeit bestand darin, Darsteller*innen für die Rollen zu finden. Sie sollen die für heutige Zuhörende unglaubliche Arroganz und Ignoranz der Verhörenden, meist Schulräte oder Rechtsamtsleiter, glaubwürdig zeigen. Für die Rolle der Staatsvertreter*innen fanden wir in unseren Kreisen ausreichend Kandidat*innen, die diese Zeiten und den Umgang mit Untergebenen miterlebt haben und gerne bereit waren, diese Position wahrhaftig darzustellen. Schwieriger war es, junge Menschen für die Rollen zu finden, was uns schließlich aber gelang.

Mit der vierten szenischen Lesung der Protokolle, nach Auftritten in der GEW, der FU und der TU, haben wir im Brecht Literaturhaus erfolgreich dazu beigetragen, die vergessene Geschichte ins Bewusstsein der heutigen Generation zu rufen. Unsere jungen Darsteller*innen waren überrascht und beeindruckt von den Vorgängen, mit denen sie zum ersten Mal konfrontiert wurden. In der Schule, im Unterricht hatten sie nie davon gehört.

Bis zum Tag der Konferenz waren wir unsicher, ob wir überhaupt live auftreten könnten. Die digitale Übertragung war vorgesehen und wurde technisch hervorragend realisiert. Wir hatten 100 Teilnehmer*innen im Netz, zusätzlich zu den Besucher*innen vor Ort.

Am Freitag, den 6. Mai werden wir im GEW Haus endlich unsere Ausstellung eröffnen können mit einem Begleitprogramm, zu dem auch die szenischen Lesungen gehören. Aus Corona-Gründen war das bisher nicht möglich. Wir hoffen, dass es diesmal klappt und laden euch herzlich dazu ein.    

Die gesamte Konferenz ist in der Mediathek des Literaturforums im Brecht Haus digital zu verfolgen: www.lfbrecht.de/livestream vom 18.2.22 suchen!

 

50 Jahre Berufsverbote

Ausstellungseröffnung

6. Mai 2022, 18 - 20 Uhr

im GEW-Haus

 

Anmeldung:
ag.berufsverbote(at)gew-berlin(dot)de

Kontakt
Markus Hanisch
Geschäftsführer und Pressesprecher