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Internationales

Vom autoritären zum demokratischen Schulsystem

Im Bildungssystem der Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien werden Kinder ermutigt, ihre Rechte einzufordern und Lehrkräfte aufgefordert, ihre Erziehungsmethoden zu reflektieren.

Foto: Sigrid Masuch

Im Gegensatz zu dem autoritär geprägten Bildungssystem des syrischen Staates hat die Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien sich zum Ziel gesetzt, ein gewaltfreies und demokratisches Bildungswesen aufzubauen. Dabei wird Bildung als Menschenrecht verstanden, das für alle kostenfrei zur Verfügung stehen muss. Alle Kulturen, Religionen und Geschlechter sind zu respektieren und zu fördern. Dogmatisches Denken soll verhindert werden, indem nicht das Auswendiglernen, sondern eigenes Recherchieren und das Verstehen von Inhalten im Mittelpunkt des Lernens stehen. Auch die psychischen Belastungen der Kinder finden Berücksichtigung, indem erstmals auch Inhalte in Form von Spiel, Theater und Kunst bearbeitet werden.

 

Für eine freie Gesellschaft

 

Bildung wird als etwas verstanden, das die ganze Gesellschaft betrifft. Also muss auch das familiäre Umfeld einbezogen werden. Demokratisches Denken wird gefördert, um gemeinsame Entscheidungsfindungen von Lernenden, Lehrkräften, Eltern und der Verwaltung auf allen Ebenen voranzutreiben. In den Schulen werden Möglichkeiten aufgezeigt und eingeübt, die eigenen Rechte einzufordern und Beschwerden vorzubringen. Da alle Lehrkräfte unter dem syrischen Regime ausgebildet wurden, mussten sie zunächst mit den Erziehungszielen, Erziehungsmethoden und Lehrinhalten der Selbstverwaltung vertraut gemacht werden. Dazu wurden Akademien gegründet, in denen bis heute verpflichtende Lehrgänge und Weiterbildungsmaßnahmen stattfinden.

Das in den Schulen der Selbstverwaltung proklamierte Prinzip der Gewaltfreiheit erfordert ein enormes Umdenken. Weder körperliche noch psychische Gewalt wird geduldet, denn sie verhindert die Entfaltung freier Menschen. Bei Meldung von Verstößen gegen das Gewaltverbot werden Kontrollen eingeleitet, mit Gesprächen und notfalls weiteren Maßnahmen. Kinder und Jugendliche achten inzwischen von sich aus auf die Umsetzung der neuen Erziehungsmethoden. Sie wissen sich bei Verstößen Hilfe zu holen. Dies beweist, dass das Ziel der Erziehung, seine Meinung frei zu äußern, angenommen wird. Dennoch müssen die Lehrkräfte viel Überzeugungsarbeit für das neue Schulsystem leisten. Denn nach wie vor gibt es Familien, die den autoritären Stil bejahen.

 

Internationale Zusammenarbeit

 

Die Mitglieder unserer Partnergewerkschaft Yekîtiya Mamosteyên wünschen sich von der GEW, dass der gegenseitige Austausch und die Unterstützung intensiviert werden. Nach einer Delegationsreise nach Deutschland hat die Ko-Vorsitzende Nesrîn Reşik alle regionalen Gewerkschaftsbüros in Nord- und Ostsyrien besucht und von der Reise berichtet. Gemeinsam wurde der Wunsch entwickelt, den Kontakt zwischen GEW-Landesverbänden und regionalen Gewerkschaftsbüros in Nord- und Ostsyrien herzustellen. Auf diesem Weg wäre ein direkter, dezentraler Austausch möglich, der in Berlin über den Landesausschuss für Migration, Diversity und Antidiskriminierung (LAMA)/Internationales organisiert werden könnte.

Von einer Berliner Schule wurde bereits das Interesse an einem Unterstützungsprojekt des Regionalbüros Efrîn/Şehba in Nordsyrien geäußert. Durch das Erdbeben im Februar 2023 wurden in der Region Schulgebäude zerstört und Ersatzunterrichtsräume in Wohnhäusern eingerichtet, direkt an einer sehr befahrenen Hauptstraße. Es müssen Schutzwände gebaut werden, die die Kinder vor dem Autoverkehr schützen. Durch Spendenaktionen möchte die Schule einen finanziellen Beitrag zur Sicherheit der Schulkinder leisten. Das könnte ein erster Schritt zum Aufbau einer Kooperation sein.

Am 19. Oktober 2023 findet um 17 Uhr der nächste Online-Austausch mit den Ko-Vorsitzenden der gewerkschaftlichen Regionalbüros in Nord- und Ostsyrien statt.

 

Wer sich für die Zusammenarbeit interessiert, wendet sich bitte an LAMA / Internationales.

Kontakt: sigrid.masuch(at)extern.gew-berlin(dot)de

Kontakt
Markus Hanisch
Geschäftsführer und Pressesprecher