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Gewerkschaft

Wenn die Pause keine Pause ist

Erfahrungen mit der Arbeitszeitstudie an einer berufsbildenden Schule.

Foto: GEW

Seit Sommer 2023 führt die Universität Göttingen mit Unterstützung der GEW BERLIN eine Arbeitszeitstudie unter Berliner Lehrkräften durch. Fast 5.000 Kolleg­*innen an 375 Schulen nehmen teil. Mit einer Gruppe von 20 Kolleg*innen, darunter auch Schulleitungsmitgliedern, sind auch wir vom Oberstufenzentrum KIM dabei. Wir sind stolz darauf, teilzuhaben, wenn das erste Mal belastbare Arbeitszeitwerte auch für berufsbildende Schulen erhoben werden.

Insgesamt sind wir sehr zufrieden mit dem Zeiterfassungstool. Die Option, Stunden voreintragen zu können, ist extrem hilfreich. Ein echter Gamechanger, vor allem für die Kolleg*innen der Berufsschule, war die nachgelieferte Möglichkeit des Tools – zu finden unter »Profil ändern« –, diese Voreintragungen auch im wochenweise wechselnden Rhythmus vornehmen zu können.

Über unsere Erfahrungen mit dem Tool tauschen wir uns in einer Gruppe im Schulmessenger aus. Das entlastet, weil so nicht nur ich als Multiplikatorin individuell Tipps gebe, sondern die Schwarmintelligenz wirkt.

 

Vier Minuten hier, sechs Minuten da

 

Eine Kollegin wunderte sich darüber, dass sie so erschöpft sei, aber laut Zeiterfassungstool gar nicht mehr als 40 Stunden die Woche gearbeitet hatte. Ihr wurde geraten zu prüfen, ob sie ihre Pausen wirklich als Pausen nutze. Ein Kollege schrieb ihr: »Führst du in der Pause private Gespräche oder geht es doch größtenteils um Klassen und Schüler*Innen? Dann ist es dienstlich und fühlt sich nicht nur so an.« Diese Gespräche sind unter pädagogische Kommunikation einzutragen.

Ein weiterer Hinweis war der, dass sie die vielen nur kurz andauernden Tätigkeiten wie beispielsweise sieben Minuten ein Schüler*innengespräch hier, vier Minuten kopieren da und kurz vor Feierabend noch schnell sechs Minuten Noten im Sekretariat eintragen, nicht vergessen dürfe zu notieren. Und siehe da, genau dies war etwas, was sie nicht tat. Dabei kommen bei verschiedenen Tätigkeiten im Laufe eines Schultages, die jeweils nur ein paar Minuten dauern, so im Laufe der Woche schnell insgesamt ein paar zusätzliche Stunden zusammen. Es ist übrigens auch eine Option, die vielen täglichen Tätigkeiten, die einzeln nur wenige Minuten beanspruchen, so sie denn in eine Kategorie gehören, zusammenzufassen und zum Beispiel nach Unterrichtsschluss als Gesamtsumme zu notieren.

Was in dem Chatgespräch auch noch deutlich wurde, ist, dass unser Job besondere Anstrengungen mit sich bringt. Es ist ein elementarer Unterschied, ob wir 26 Stunden vor Klassen stehen oder im Büro vor einem Computer sitzen. Dazu kommt die psychische »Nachbereitung«, die wir häufig nach Dienstende noch leisten (müssen). Viele von uns machen sich eine Menge Gedanken über unsere Schüler*innen. Auch das frisst Zeit und erschöpft. Die Studie kann mit dem Tool aber nur die Zeit, nicht die Intensität und spezielle Belastung, die unsere Arbeit mit sich bringt, erfassen.

Daher umfasst die Studie ergänzend zur Zeiterfassung mehrere Arbeitsbelastungsfragebögen. In den Herbstferien haben alle Teilnehmer*innen die Einladung zum Ausfüllen des ersten Fragebogens erhalten, es werden weitere folgen.

Für mich ist die Studie schon jetzt erfolgreich, denn neben individuellen Erkenntnissen freue ich mich besonders über die Diskussionen im Kollegium, die entstanden sind. Das ist ein wunderbarer Nebeneffekt der Studie und wenn erst die konkreten Ergebnisse vorliegen, werden wir uns mit fundierten Argumenten dafür einsetzen, unsere Situation zu verändern!

 

Neugierig geworden?

 

Du kannst noch mitmachen!

Wann? Ab sofort, spätestens Mitte Februar 2024. Deine Daten werden noch für ein halbes Jahr erhoben und zwar bis einschließlich der Präsenztage des kommenden Schuljahres.

Wie? Die Zeiterfassung geht ganz einfach mittels eines browserbasierten Online-Tools und dauert, nach einer kurzen Eingewöhnungsphase, nur wenige Minuten pro Tag.

Warum? Du wirst Teil einer Gruppe von fast 5000 Kolleg*innen, die ihre Arbeitszeit erfassen und somit eine valide Basis für arbeitspolitische Initiativen liefern. Außerdem erhältst du einen Überblick über deine individuelle Zeitverwendung.

Sei dabei!

www.gew-berlin.de/arbeitszeitstudie/anmeldung-arbeitszeitstudie

Kontakt
Markus Hanisch
Geschäftsführer und Pressesprecher