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blz 03-04 / 2014Früher testen und mehr Druck

Die neuen Regelungen zur Sprachförderung in der Kita

01.03.2014 - Christiane Weißhoff, Vorstandsbereich Kinder-, Jugendhilfe und Sozialarbeit

Nach dem Willen des Berliner Senats sollen bereits in Kürze neue Regelungen in Kraft treten, die eine bessere Sprachförderung von Kindern zum Ziel haben. Ob sie allerdings in der geplanten Form geeignet sind, dieses Ziel zu erreichen, ist strittig. Im Vordergrund der geplanten Maßnahmen steht ein verpflichtender Sprachtest für alle Kinder, die keine Kita besuchen. Das gab es bisher schon, aber nun soll der Sprachtest um ein halbes Jahr vorgezogen werden. Künftig sollen Kinder bereits mit vier Jahren »getestet« werden. Welches Testverfahren dabei angewandt werden soll, ist unklar. Bei festgestelltem Sprachförderbedarf sollen die Eltern verpflichtet werden, ihre Kinder in eine Kita zu geben.

Statt wie bisher drei Stunden soll der zeitliche Umfang des Kitabesuchs nun auf fünf Stunden erhöht werden. Eltern, die dieser Aufforderung nicht nachkommen, droht ein Bußgeld in Höhe von bis zu 2.500 Euro. Außerdem ist geplant, die Lerndokumentation des Sprachlerntagebuches an die Grundschule weiterzugeben.

Die GEW BERLIN spricht sich dafür aus, den Kitabesuch möglichst vieler Kinder zu erreichen. Dazu sollten vielfältige Maßnahmen ergriffen werden, sodass dies auf freiwilliger Basis geschieht. Die vorgelegten Planungen und Änderungen des Schulgesetzes umfassen jedoch im Wesentlichen Sanktionen und ordnungspolitische Maßnahmen wie zum Beispiel das Bußgeld. Das erinnert an die von dem Fraktionsvorsitzenden der SPD Raed Saleh geforderte Einführung einer Kitapflicht.

Ob es Sinn macht, Vierjährige zu testen, ist fraglich. Die »Einladung« zu einem verpflichtenden Test mit Bußgeldandrohung gleicht zudem eher einer Vorladung und fördert mit Sicherheit nicht die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Eltern und Kita. Was passiert, wenn die Eltern kein Bußgeld zahlen können? Welche Maßnahmen werden dann eingeleitet?

Noch sind bei Weitem nicht alle Mittel und Maßnahmen ausgeschöpft, um für einen freiwilligen Kitabesuch zu werben. Einen wichtigen Beitrag dazu leisten gute Kindertagesstätten mit ausreichend und gut qualifiziertem Personal. Das immer noch komplizierte und bürokratische Anmeldeverfahren ist für Eltern ein Hindernis. Die GEW BERLIN fordert deshalb, allen Eltern einen Kitagutschein spätestens zum ersten Geburtstag des Kindes für einen Ganztagsplatz zukommen zu lassen. Notwendig ist aus unserer Sicht außerdem der weitere quantitative und qualitative Ausbau von Familienzentren. Die Projekte der Stadtteilmütter sollten ausgebaut werden. Es wäre sinnvoll zu erforschen, warum die Familien Vorbehalte gegenüber einem Kitabesuch haben, statt mit ordnungspolitischen Maßnahmen zu drohen.

Wichtig, um Vorbehalte gegen einen Kitabesuch abzubauen, ist die pädagogische Qualität in den Tageseinrichtungen. In den letzten Jahren hat durch die Einführung des Berliner Bildungsprogramms zweifellos eine positive Entwicklung stattgefunden. Der momentane Fachkräftemangel, die erweiterte Möglichkeit der Beschäftigung und Anrechnung von (noch) nicht ausgebildetem Personal in Kindertagesstätten und die immer noch völlig unzureichende Personalausstattung der Kitas zeigen einen großen Handlungsbedarf auf. Dazu gehört unter anderem, mehr Ressourcen für die Verbesserung des Leitungsschlüssels zur Verfügung zu stellen, die Zuschläge für Kinder nichtdeutscher Herkunftssprache nicht erst ab 40 Prozent zu gewähren und das Programm »Frühe Chancen« fortzuführen.

Last, but not least: Wenn wir wollen, dass möglichst alle Kinder eine Kita besuchen, brauchen wir auch für alle Kinder einen Kitaplatz und ausreichend qualifizierte ErzieherInnen.

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